Peter L.W. Finke

Professor Peter Leo Werner Finke (* 1942) hat Philosophie, Allgemeine Sprachwissenschaft und Logik in Göttingen, Heidelberg und Oxford studiert und nach seiner Habilitation 1979 von 1982 an ein Vierteljahrhundert an der Universität Bielefeld Wissenschaftstheorie gelehrt. 2005 gab er seine Professur freiwillig vor der Pensionsgrenze aus Protest gegen die von der Politik europaweit und fächerübergreifend staatlich verordnete sog. Bologna-Reform der Universitäten auf. Finke ist Begründer der von Gregory Bateson inspirierten Evolutionären Kulturökologie und gilt als einer der besten heutigen Kenner der amateurwissenschaftlichen Szene. Ähnlich wie vor ihm Paul Feyerabend ist er ein scharfer Kritiker der heutigen Wissenschaftspraxis und -politik. Seine Bücher »Die Ökologie des Wissens: Exkursionen in eine gefährdete Landschaft« (2005) oder »Citizen Science: Das unterschätzte Wissen der Laien« (2014) und »Freie Bürger, freie Forschung: Die Wissenschaft verlässt den Elfenbeinturm« (2015) wurden intensiv öffentlich diskutiert.

Finke sieht die Ursache der vielen gegenwärtigen Krisen in einer tiefgehenden kulturellen Krise unserer westlichen Zivilisation, die sich in den Fehlern der von uns ausgehenden Globalisierung äußert. Statt der mühsam errungenen Normen und Werte von Aufklärung und Demokratie exportieren wir eine monetär-ökonomische Schrumpfversion dieser Kultur: die Werte der Wall-Street. Wir vernichten hierdurch Evolutionsgewinne der natürlichen und der kulturellen Vielfalt und machen einen tiefgreifenden kulturellen Wandel dringlich.

Die Wissenschaft ist der Bereich, in dem solche Veränderungsbemühungen in der Gegenwart besonders kulminieren. An der Wurzel der weltweiten Krisen stehen vielfach Erkenntnisse, Positionen und Anwendungsprodukte einzelner Wissenschaften. Es gibt deshalb auch eine latente Wissenschaftskrise. Der Ruf nach mehr Transdisziplinarität wird zu Recht lauter. Eher zaghaft noch in der großen akademischen Wissenschaft der Universitäten, mutiger, aber auch weniger im Bewusstsein der Öffentlichkeit in manchen Bereichen der ungebundenen, ehrenamtlichen Amateurwissenschaft.

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»Unsere Zukunft hängt auch von der Wertschätzung ab, die wir den Laien entgegenbringen.«